AGK Tagung 24.-25.04.2020 Basel (CH)

11. Arbeitstreffen der AG Kasuistik
24.-25.04.2020 in Basel

Räume der FHNW Hochschule für Wirtschaft
Peter Merian Strasse 86
4002 Basel (direkt am Bahnhof Basel SBB)

call for proposals: Die Arbeit am eigenen Fall zwischen Subjekt und Institution – Friktionen und Umgangsweisen

Kasuistische Hochschullehre kann – so zeigen auch die zehn Vorgängertreffen der AG Kasuistik – als theoretisch gut elaboriertes Programm der Hochschullehre gekennzeichnet werden. Die Figur, anhand von Fällen berufliche Orientierungen, Interaktionsdynamiken, Strukturlogiken des zukünftigen Berufsfeldes oder Adressierungspraktiken handlungsentlastet rekonstruieren zu können, hat eine hohe Plausibilität. Die damit verbundene Wirkungshoffnung der Entstehung eines wissenschaftlich-reflexiven Habitus als dauerhaft verfügbares Potential zur kritischen Distanzierung von Sozialisationsversuchungen des beruflichen Feldes harrt jedoch aufgrund der Komplexität der Untersuchungsanlage weitgehend der empirischen Überprüfung.

Das elfte Treffen der AG Kasuistik zielt auf die Auseinandersetzung mit «heissen» Themen der kasuistischen Arbeit zwischen Subjekten und Institutionen der Lehrer*Innenbildung. Im Zentrum steht dabei der «eigene» (studentische) Fall. Hier stellt sich die Frage nach den personalen Bedingungen von Fallarbeit auf Seiten der Studierenden wie auf Seiten der Lehrenden. Damit greift die Tagung auch das Thema der für Köln im Frühjahr 2019 vorgesehenen Workshops zur Bedeutung des Subjekts im Umgang mit Fällen auf, ergänzt dieses jedoch auch um Wege der (hochschul-)methodischen Umsetzung, der Einbettung und Verortung im Seminarkontext. Die konstitutive Einbindung von Subjekten der Lehrer*innenbildung in deren Institutionen verweist auf eine zweite Perspektive. Diese beleuchtet, welchen Einfluss institutionelle Rahmungen auf die Fallarbeit selbst, ihre Wirkungen und Produkte haben. Wie konturiert sich Fallarbeit in den Schul- oder  berufspraktischen Studien, wo die Studierenden selbst zum Fall werden? Was passiert mit der Fallarbeit, wenn diese (konsequenterweise) auch zum Format akademischer Prüfungen wird? In den «Niederungen» von Hochschulen als Institutionen eines gesellschaftlichen Berechtigungswesens lauern dabei absehbar eine Reihe von Friktionen, denen sich das Treffen der AG Kasuistik im April 2020 widmet. Neben Prüfungsordnungen der Hochschulen können Friktionen auch durch Loyalitätskonflikte hervorgerufen werden, wenn Fälle thematisiert werden, in die Studierende als sichtbare Akteure, Beobachtende oder nur «in Resonanz Tretende» als graduelle Ausprägungen von Involviertheit eingebunden sind. Friktionen entstehen auch durch Scham oder Vermeidungstendenzen angesichts «schonungslos» herausgearbeiteter (eigener) Begrenzungen. Sie werden durch eine seminargruppenöffentliche Sichtbarkeit und Thematisierung gesteigert, weil andernorts oft unausgesprochene oder nicht in Frage gestellte (habituelle) Passungsverhältnisse zwischen den Subjekten und beruflich als relevant markierten Anforderungen «auf den Tisch kommen». Der Blick auf mögliche, wenngleich nicht zwangsläufige derartige Friktionen sensibilisiert für die Ansprüche, die an kasuistisches Arbeiten sowohl auf der Ebene der Seminarinteraktion als auch auf institutioneller Ebene zu stellen sind. Die Umgangsweisen mit diesen Friktionen können dabei Wege aufzeigen, deren Entstehung zu vermeiden, oder zumindest die Prägnanz der Ausprägung zu vermindern, sie ggf. sogar progressiv zu thematisieren und damit lehrerbildnerisch produktiv werden zu lassen. Aufgrund des thematischen Anschlusses an das in Köln geplante AG-Treffen sind einzelne Beiträge zur Perspektive des Subjekts bereits vorgesehen, der vorliegende Call richtet sich also in erster Linie an die thematische Linie, die sich mit den Friktionen und den Umgangsweisen damit befasst sowie auf Wege der (hochschul-)methodischen Umsetzung, der Einbettung und Verortung «eigener» Fälle im Seminarkontext.

Vorschläge für Beiträge werden bis 13.01.2020 an tobias.leonhard@fhnw.ch erbeten. Bitte senden Sie ein Abstract (max. 2000 Zeichen), in dem Sie die inhaltliche Ausrichtung, zentrale Fragestellungen und das Format der Gestaltung (als Vortrag, Workshop, etc.) beschreiben.

Die Anmeldung zur Veranstaltung wird ab Januar 2020 möglich sein.
Organisation: Tobias Leonhard, Julia Košinár – Pädagogische Hochschule FHNW